Schmuckdesigner im Interview: Birgit Okulla

Schmuckdesigner im Interview: Birgit Okulla

08. Juli 2016

Schmuckdesignerin Birgit Okulla im Interview

Birgit Okulla steht für ganz besondere Schmuckstücke mit viel Persönlichkeit und Kreativität - wir haben Schmuckdesignerin Birgit Okulla für Euch zu einem Interview getroffen.

 

Direkt nach dem Abitur haben Sie eine Ausbildung zur Goldschmiedegesellin begonnen und danach noch ein Studium im Schmuckdesign absolviert - Wann und wie haben Sie Ihre Leidenschaft für das Schmuckdesign entdeckt?

Birgit Okulla: Ich hatte schon immer den Drang kreativ und handwerklich zu agieren. Da ich aus einer Fotografen-Familie stamme, hätte sich auch die Fotografie angeboten. Dennoch hat mich die Leidenschaft für den Schmuck gepackt, seitdem ich bei einem USA-Aufenthalt einem Goldschmied über die Schulter schauen durfte.

Meine Lehre als Goldschmiedin und die anschließenden Gesellenjahre haben die handwerkliche Leidenschaft auf eine solide Basis gestellt, die das Studium im gestalterischen Sinn vervollständigt und eigenständig gemacht hat.

Birgit Okulla

 

Was begeistert Sie so sehr daran, Schmuckstücke zu entwerfen?

Birgit Okulla: Aus Gedanken, Alltags-Themen und Ideen etwas zu formen, das als getragenes Objekt zum Schmuckstück und Begleiter wird, ist eine faszinierende Aufgabe. Aussagekräftige Motive und Strukturen aus der Natur können als Schmuckstück die Persönlichkeit der Trägerin / des Trägers unterstreichen und hervorheben.

Beispielsweise habe ich das Thema der Vielschichtigkeit von Menschen in die Schmuckserie „Armadillo“ übertragen. Dennoch sollte das Schmuckstück nicht mit Sinn überfrachtet werden, sondern darf auch einfach nur durch sein Lichtspiel, das Material oder die Oberfläche begeistern ...

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Mich fasziniert es immer wieder aufs Neue, unterschiedliches Material und die Vielfalt der Technik gestalterisch einzusetzen und auf diese Weise Schmuckstücke mit Besonderheiten entstehen zu lassen! Wenn es gelingt, das Wesentliche heraus zu kristallisieren und einzigartige Unikate zu schaffen, dann ist das großartig.

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Jetzt sind Sie freischaffende Designerin und besitzen Ihr eigenes Schmucklabel - Seit wann gibt es das Label "Birgit Okulla Schmuck"?

Birgit Okulla: Ich habe 2007 angefangen, meine eigene Schmuck-Kollektion zu entwerfen, zu fertigen und zu vertreiben, nachdem ich zunächst als Chefdesignerin und Produktmanagerin bei verschiedenen Firmen gearbeitet habe.

Seit 2013 habe ich mit einem eigenen Atelier mitten im Nicolai-Viertel von Unna meinen Traum wahr gemacht.

Birgit Okulla

 

Ihr Schmuck ist sehr ausgefallen: Von Flakon-Schmuck bis hin zu außergewöhnlichen Strukturen - Wie würden Sie selbst den Stil Ihrer Schmuckstücke beschreiben?

Birgit Okulla: Es ist ein selbstbewusster, individueller Schmuck, der ebenso selbstbewusste Trägerinnen sucht. Der Facettenreichtum und die eben erwähnte Vielschichtigkeit der menschlichen Persönlichkeit machen es mir möglich, mit vielseitiger Formen- und Materialsprache unterschiedlichste, interessante Schmuckthemen aufzugreifen. Das klare Design ist kennzeichnend für alle meine Entwürfe und Arbeiten.

 

Besonders interessant erscheinen Ihre Flakon-Ringe. Welche Idee steckt hinter diesem Design?

Birgit Okulla: Mein Thema ist hier: „Gefäße am Körper“ und „Schmuck mit Inhalt“. Da die Flakonschmuckstücke individuell befüllbar sind, wird die Trägerin zur Co-Designerin. Inhalt und Verschluss sind variabel und lassen unterschiedliche Schmuckstücke entstehen - beispielsweise mit Sand aus dem Urlaub befüllt oder ganz edel mit Gold, Silber oder sehr kleinen Edelsteinen …

flakon-ringe

Ihr Schmuck ist sehr ausdrucksstark. Woher nehmen Sie Ihre Ideen oder wo lassen Sie sich inspirieren?

Birgit Okulla: Inspirationsquelle ist die Natur, sind Themen des alltäglichen Lebens, oder auch Gefühle. Gedankensplitter und Erlebnisse wecken die Ideen und lassen Strukturen und Formen entstehen. Auch schmuck-unübliche Materialien wie z. B. Glas, Porzellan oder Lack werfen meinen Ideen-Motor an ... alles will zu Schmuck werden ...

Birgit Okulla

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Wie wird ein Schmuckstück hergestellt? Welchen Weg muss es von der Idee bis zum fertigen Produkt durchlaufen?

Birgit Okulla: Die Art und Weise, wie ein Schmuckstück entsteht, ist oft sehr unterschiedlich. Mal greife ich nach Strukturen, die über die Abformung, Verfremdung und durch das Modellieren in Wachs im Gussprozess in edles Metall überführt werden. Oder ich habe ein Material wie das Glas, welches schon durch seine Eigenschaft nach seiner Gestalt ruft - hier arbeite ich mit einem Glaskünstler zusammen, der nach meinen Entwürfen und Maßen die Glaskörper entsprechend formt. Ich beschleife sie dann und versehe sie mit einem Verschluss.

Die „Crystals“ entstehen aus Rubin- und Spinellsynthesen, die, fixiert auf dem Silberring, ihre Facetten in meiner Edelsteinschleiferei erhalten.

Birgit Okulla

 

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Ganz viel geht über die Gedankenskizze, über unzählige Modelle und technische Versuche.

Was aber allen Schmuckstücken gemein ist, ist dass sie handgefertigt sind - Massenware findet bei mir keinen Platz ...

 

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Schmuckstück, das Sie selbst angefertigt haben?

Birgit Okulla: Eines meiner ersten Schmuckstücke war ein großer, extravaganter Ring aus Silber mit Niello-Intarsien - ich habe ihn immer noch und halte ihn in Ehren. Er entstand in einem Workshop in der Berufsschule 1989.

 

Gibt es ein absolutes Lieblingsstück aus Ihren bisherigen Entwürfen?

Birgit Okulla: Alle Schmuckstücke, die für meine Kollektion entstehen, wachsen ja aus meinen Gedanken und Gefühlen - schwierig, ein Lieblingsstück zu wählen.

Sie sind mir alle sehr wichtig und ich liebe eben auch die Unterschiedlichkeit, so wie auch ich unterschiedliche Stimmungen habe ...

 

Was haben Sie für die Zukunft von „Birgit Okulla Schmuck “ geplant? Was wollen Sie in Hinblick auf Schmuckdesign unbedingt noch ausprobieren?

Birgit Okulla: Für das Thema „Crystals“ entstehen gerade ein paar wunderbar puristische Ringe in unterschiedlichen Breiten, einzeln und auch in der Kombination tragbar!

Weiterhin bin ich immer dabei, neue Materialien für mich und meine Kundinnen zu entdecken und in einzigartigen Schmuck zu verwandeln.

Natürlich möchte ich auch in Zukunft viele Frauen weiterhin dabei unterstützen, ihre ganz eigene Persönlichkeit durch Schmuckstücke aus meinen Kollektionen zu unterstreichen - ich berate individuell, getreu meiner Maxime: „Schmuck macht glücklich!“

 

Ein sehr schönes Schlusswort! Wir bedanken uns für das tolle Interview und sind schon gespannt auf Ihre nächsten individuellen Schmuckstücke!

 

Bildmaterial: Birgit Okulla

  • Gudrun Böker 20. September 2016

    Es ist ein wirklich ansprechender Schmuck, der in der Tat eine ganz individuelle Wirkung ausstrahlt. Zudem liegt das Atelier in einem verwunschenen Winkel des Nicolai-Viertels, leider bin ich bisher nur bis zum Schaufenster vorgedrungen. Das werde ich ändern. Ich wünsche dir viele kreative Ideen!

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